LYMPHÖDEM – Behandlungsmethoden
Lymphödeme neigen dazu, sich zu verschlimmern und zu verfestigen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, so schnell wie möglich mit einer geeigneten Therapie zu beginnen. Die Behandlung von Lymphödemen ist ein langwieriger Prozess und kann mehrere Monate oder sogar Jahre dauern. Leider kommt es vor, dass Lymphödeme den Patienten ihr ganzes Leben lang begleiten. Auch wenn das Ödem langwierig ist und die Behandlung sehr mühsam wird, sollte man sie nicht aufgeben. Nur eine gewissenhaft durchgeführte Therapie verhindert eine Verschlimmerung des Ödems und gefährliche Komplikationen.
Komplexe Anti-Ödem-Therapie
In der Physiotherapie wird die sogenannte komplexe Anti-Ödem-Therapie angewendet, die eine Kombination verschiedener Therapieformen umfasst: Lymphdrainage, Kompressionstherapie und Kinesiotherapie.
Lymphdrainage
Es handelt sich um eine Art Massage, die den Abfluss der Lymphe aus den von Ödemen betroffenen Stellen erleichtert. Die Drainage kann manuell durch einen Masseur oder mit speziellen Geräten zur Pressotherapie durchgeführt werden.
Die manuelle Lymphdrainage basiert auf sanften Bewegungen, die die Lymphe in Richtung der Lymphknoten transportieren. Die manuelle Lymphdrainage darf nur von einem kompetenten Masseur oder Physiotherapeuten durchgeführt werden, da eine unsachgemäß durchgeführte Behandlung die Lymphschwellung zusätzlich verstärken kann.
Es ist wichtig, dass die Lymphdrainage regelmäßig, am besten täglich, durchgeführt wird. Die häufige Inanspruchnahme von Physiotherapiepraxen kann sehr kostspielig und zeitaufwändig sein. Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Patienten für den Kauf eines eigenen Pressotherapiegeräts.
Kompressionstherapie
Die Kompressionstherapie besteht darin, die Extremitäten mit speziellen Materialien in Form von Bandagen, Strümpfen oder Strumpfhosen entsprechend zu komprimieren, um die Ansammlung von überschüssiger Lymphe im unteren Teil der Extremitäten zu erschweren. Der Druck bewirkt einen Anstieg des Gewebedrucks, wodurch weniger Lymphe in das Gewebe eindringt.
Die Kompressionstherapie wirkt sich auch positiv auf die Funktion der Klappen in den Lymphgefäßen aus und verbessert die Pumpfunktion der Muskeln, unter deren Einfluss die Lymphkapillaren pulsieren. Die Anwendung der Kompressionstherapie verlängert die durch die Lymphdrainage erzielte Wirkung.
Kinesiotherapie
Das ist eine andere Art der Bewegungstherapie. Rhythmische Muskelbewegungen wirken sich positiv auf die Lymphzirkulation aus. Aus diesem Grund werden bei der Therapie von Lymphödemen verschiedene Methoden der Entlastungsgymnastik angewendet. Zu intensive Übungen sollten vermieden werden, da die Muskeln unter hoher Belastung in den anaeroben Stoffwechsel übergehen, der ihre Durchblutung erhöht. Mit dem Blutfluss in die Muskeln steigt auch die Lymphmenge, sodass ein gegenteiliger Effekt erzielt wird.
Physiotherapie
In Rehabilitationszentren kann ein Patient, der an Lymphödemen leidet oder bei dem eine Ödemprophylaxe angewendet wird, eine Überweisung für physikalische Behandlungen erhalten. Nachfolgend sind die am häufigsten angewendeten physikalischen Therapien aufgeführt.
Pressotherapie
Andere Bezeichnungen: pneumatische Massage, sequentielle Kompressionsmassage, „Boa”. Hierbei handelt es sich um eine Art Lymphdrainage, die mit einem speziellen Gerät durchgeführt wird. Im Lieferumfang des Geräts sind Manschetten (Ärmel) für verschiedene Körperteile enthalten, z. B. für die oberen Extremitäten.
Die Manschette ist in mehrere Kammern (in der Regel 4 oder 6) unterteilt, die mit Luft aus dem Gerät gefüllt werden. Das Befüllen der Kammern erfolgt in einer bestimmten Reihenfolge in Richtung des Herzens. Unter dem Einfluss des sequenziellen Drucks bewegt sich die Lymphe allmählich in Richtung der Lymphknoten.
Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel nicht mehr als 45 Minuten. Das Glied sollte während der Behandlung erhöht liegen (z. B. auf einem Keil in einem Winkel von 45°).
Auf dem Markt sind auch vereinfachte Geräte für die Pressotherapie für den Heimgebrauch erhältlich, was den Patienten die Durchführung der Ödemprophylaxe in Eigenregie erheblich erleichtert. Die Behandlungen können sogar täglich durchgeführt werden, was bei Menschen mit chronischem Lymphödem notwendig ist.
Weitere Informationen zur Pressotherapie:
Wie wählt man ein Gerät für die Pressotherapie zu Hause aus?
Hydrotherapie
Auch bekannt als Wirbelwassermassage. Das Glied wird in eine spezielle Wanne gelegt, die mit einem Gerät ausgestattet ist, das das Wasser in eine Wirbelbewegung versetzt. Diese Massage zielt darauf ab, Schwellungen und Blutstauungen zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und die Muskeln zu entspannen.
Kryotherapie
Auch bekannt als Kältebehandlung. Bei dieser Behandlung wird die Körpertemperatur gesenkt, in der Regel nur teilweise, es gibt jedoch auch Ganzkörperbehandlungen. Zur Kühlung werden flüssiger Stickstoff, Kohlendioxid oder gekühlte Luft verwendet. Die lokale Kryotherapie hat eine schmerzstillende, ödemhemmende und entzündungshemmende Wirkung und wirkt sich auch auf die Muskelentspannung aus. Die Durchblutung der Lymphgefäße verbessert sich und der Stoffwechsel wird beschleunigt, wodurch der Körper Giftstoffe leichter ausscheiden kann.
Zusätzlich werden zur Behandlung von Ödemen sogenannte Extremitätenelevationen (spezielle Lagerungspositionen) und Atemübungen eingesetzt, die ein entsprechend geschulter Patient selbstständig zu Hause durchführen kann. Dadurch können die positiven Effekte der Ödemtherapie aufrechterhalten werden.
Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Therapie spielt bei der Behandlung von Lymphödemen keine wichtige Rolle. Nur in den frühen Stadien der Schwellung können Flavonoide (z. B. Rutin) eingesetzt werden, die eine abdichtende und stärkende Wirkung auf die Blut- und Lymphgefäße haben.
Chirurgische Behandlung
Eine operative Behandlung wird eher selten angewendet, in der Regel bei sehr starken Ödemen, die den Patienten an der normalen Ausübung seiner Tätigkeiten hindern, z. B. bei Ödemen der Geschlechtsorgane, die das Wasserlassen erschweren, bei Ödemen der Gliedmaßen, die zu einer erheblichen Deformation führen, oder bei Ödemen des Kopfes, die das Sehvermögen beeinträchtigen.
Die chirurgische Behandlung von Lymphödemen besteht in der Entfernung des übermäßig gewachsenen Unterhautgewebes und ist leider sehr riskant, da sie zu Nekrosen führen kann.
Bei der Behandlung von Lymphödemen kommen auch mikrochirurgische Eingriffe zum Einsatz, bei denen neue Verbindungen zwischen Lymph- und Venengefäßen hergestellt werden.
Manchmal werden auch modifizierte Liposuktionsverfahren durchgeführt, die eine schnelle Verkleinerung der Extremitäten ermöglichen. Nach dem Eingriff ist eine dauerhafte Kompressionstherapie erforderlich.

